WAS IHR WOLLT – MENSCHEN, MYTHEN, IDENTITÄTEN

MENSCHEN prägen das Theater – von innen wie von außen. Sie sind die „Materie“, aus der Theater entsteht. Sie sind die Elemente, für die Theater gemacht wird. Sie sind Theater. Wir rücken den Menschen in den Fokus unserer Betrachtungen: Den Menschen als singuläres Individuum in Soloabenden wie Albert Ostermaiers „Erreger“, der radikalen Lebensbeichte eines ausgebremsten Brokers in Isolation. Den Menschen als von der Gesellschaft Ausgestoßenen in unserer Fassung von Otto Nicolais großer Oper „Lustige Weiber“. Den Menschen, der aneckt und sich einfügt, den Menschen als Teil eines Systems, an dem er sich reibt oder das ihn verschlingt. Wie stehen wir als einzelne Menschen einer Gruppe gegenüber, der Familie, der Gesellschaft?


MYTHEN sind Geschichten, die Menschen erzählen, die sie ausmachen, die sie selbst gestalten und von denen sie umgekehrt gestaltet werden. Mythen sind geheimnisvoll, manchmal zunächst nicht zu durchdringen, häufig aber erhellend, wenn man sich intensiver mit ihnen beschäftigt. Eine der Urformen des Theaters war es, Geschichten zu lauschen, die immer wieder erzählt wurden und sich so im Lauf der Zeit veränderten. Wir setzen uns mit alten und neuen Geschichten auseinander, wir schauen, wie sich ihre Bedeutung verändert hat. Wo haben wir vielleicht auch den Kontakt zu unseren Wurzeln verloren? Wir freuen uns darauf, diese Themen auf der Bühne, in Gesprächen nach und vor den Veranstaltungen sowie in Begleitformaten rund um unser Programm zu durchleuchten. Wir zeigen die Vielfalt unserer Gesellschaft und bieten über das Erzählen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln und mit den unterschiedlichsten Mitteln vielerlei Anknüpfungspunkte.


IDENTITÄTEN bilden eine Gesellschaft und müssen von ihr integriert werden. Je unterschiedlicher die Menschen sind, die sich in einer Gesellschaft bewegen, desto spannender ist das Erscheinungsbild dieser Gesellschaft. Wir reden gern von einer „bunten Gesellschaft“, die Vielfalt lebt und zulässt, müssen uns aber auch ihren Herausforderungen stellen und mit Vorurteilen und Schubladendenken umgehen. Vielfalt wird von einigen Menschen per se als Bedrohung wahrgenommen. Wir stellen uns daher bewusst der Frage nach sexueller und schicksalsbedingter Identität – wie z. B. in Shakespeares melancholischer Komödie „Was ihr wollt“ – oder bieten Ihnen durch die Verknüpfung von Werken der klassischen Orchesterliteratur mit neuen Erscheinungsformen des Tanzes die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit bisher unbekannten Identitäten. Stravinskys „Le Sacre du Printemps“, live von den Brandenburger Symphonikern gespielt und von Krump-TänzerInnen in der Produktion „A Human Race“ „vertanzt“, bietet beispielsweise ein existenzielles Theatererlebnis über den Kampf der Menschen mit sich selbst und der Gesellschaft.

Letztlich alle Werke unseres Programms beschäftigen sich mit Menschen, Mythen oder Identitäten – auf die eine oder andere Weise, komisch, tragisch, durch Sprache und Musik. Wer bin ich? Lebe ich, wie ich leben will oder so, wie es andere von mir erwarten? Kommen Sie ins Theater! Es ist einer der wenigen Orte, an denen wir uns gemeinsam über unser Menschsein verständigen können.

Wir freuen uns auf Sie!

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